„Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann, wenn mein Herz daran glauben kann- dann kann ich es auch erreichen.“

In diesem Artikel möchte ich etwas von meinem ersten Kampf erzählen. Nicht weil ich angeben möchte oder weil der Kampf besonders gut lief. Sondern weil ich denke, dass auch du daraus einige Dinge lernen kannst, die dir dabei helfen werden deine Ziele zu erreichen. Sei es im Sport, auf der Arbeit oder sonst wo im Leben. Denn mein späterer Erfolg war auch nach meinem ersten Kampf keineswegs abzusehen oder vorprogrammiert. Ich bin kein Jahrhunderttalent, dass schon als Kind ein kleiner Bruce Lee war und immer die richtigen Trainer hatte. Im Gegenteil.

Seit ich 20 Jahre als wurde, habe ich nebenbei immer Kickboxen gemacht. Aber das war nur hobbymäßig und ohne große Ambitionen. Und wie sollte ich die auch entwickeln? Ich hatte damals keine guten Trainer, die wirklich interessiert waren mich voran zu treiben und zu fördern. Stattdessen immer wieder gehört, dass aus mir nichts werden könne. Mich hat man zum Sparringstreff oder zu irgendwelchen Kämpfen nicht mitgenommen, weil ich angeblich zu schwach war. Ob das wirklich so war damals, weiß ich nicht. Ich kann mich nur daran erinnern, dass man mir immer wieder reingedrückt hat, dass ich es zu nichts bringe.

Als es dann doch eines Tages auf einer Gala kämpfen konnte, war ich sehr froh, aber auch sehr ängstlich. Ich war total unsicher und habe mich ständig gefragt, ob ich wirklich nichts kann, so wie meine Trainer mir das immer eingeimpft hatten. Als mein Name schließlich aufgerufen wurde und ich vor dem Ring stand, war mein erster Gedanke „Ich bin hier falsch, ich will nach Hause“. Ich hatte einfach Schiss, doch ich konnte leider keinen Rückzieher mehr machen. Wenn man so denkt, hat man im Kopf schon verloren, bevor man überhaupt gekämpft hat. Diese falsche Einstellung hat sich dann natürlich im Ring bemerkbar gemacht. In der ersten Runde bekam ich einen Haken auf`s Kinn und lag dann zwei Meter lang ausgestreckt auf dem Boden. Tja, und dann kam ich in der Umkleidekabine wieder zu mir. Ich war nicht wirklich bewusstlos, aber mein Gedächtnis war einfach weg. Filmriss. Ich wusste dann einige Zeit später wieder, dass ich Ibrahim bin. Bis ich dann zuhause war, kamen immer wieder Erinnerungsfetzen rein, wie z.B. „Ok ich war im Kampf und hab verloren“ oder „Ich wohne in Landsberg“ und so weiter. Fast zwei Tage vergingen, bis ich dann wieder alles wusste was ich vor dem Kampf wusste. Viele Kämpfer berichten von diesen Symptomen nach einem K.o. oder schwerem Kopftreffer. Leider hat sich anschließend keiner aus meinem „Team“ ernsthaft um mich gekümmert.

Danach habe ich mich erstmal 6 Monate lang nicht mehr im Training blicken lassen. Ich wollte nicht, dass der Trainer mir sagen konnte: „Ich hab`s doch gesagt, du kannst nichts!“. An dieser Stelle hätte vielleicht so manch einer aufgegeben und die Boxhandschuhe an den Nagel gehängt. Meiner Erfahrung und Beobachtung nach gibt es zwei Arten, wie man nach einer Niederlage reagieren kann: es gibt die Menschen, die sich von einer Niederlage demoralisieren lassen und solche, die aufstehen, daraus lernen und weiter kämpfen – wenn auch natürlich nicht direkt am selben Tag. Für letztere gibt es eigentlich keine wirklichen Niederlagen. Entweder du gewinnst oder du lernst etwas für das nächste Mal!

Nach meinem ersten Kampf hat sich jedenfalls ein Schalter in meinem Kopf umgelegt. „Ibrahim du bist der Beste, lass dir nichts Anderes einreden!“ Das war meint Motto. Seitdem habe ich mir geschworen, nie wieder K.o. zugehen und alle, die mir in die Quere kommen, umzuhauen. Sei es im Ring oder Hindernisse im Leben.

Anschließend begann ich auf eigene Faust zu trainieren. Über einen Freund, der eine eigene Kampfsportschule besaß, habe ich mir meinen Fighter-Pass beantragt. Ich wollte jetzt allen beweisen wozu ich in der Lage war – und vor allem mir selbst. Ich war mittlerweile 28 Jahre alt und habe mich so auf die Bayerische Meisterschaft vorbereitet. Als völliger Neuling, den keiner auf dem Zettel hatte, habe ich dort dann überraschend den ersten Platz gemacht. Das war so ein geiles Gefühl! Der erste Sieg und das gleich bei einem Turnier. Das hat mich weiter motiviert, denn ich wusste, wenn ich das geschafft habe, dann bin ich in der Lage noch mehr zu schaffen. Teilabschnitte von einem großen Ziel erfolgreich zu bewältigen ist übrigens eine wichtige Erfahrung, die ich auch meinen Kunden und Athleten in ihrem Training machen lasse, damit sie merken wozu sie eigentlich fähig sind. So jedenfalls begann meine Reise zur Deutschen Meisterschaft der WAKO (World Association of Kickboxing Organizations).

Boxen

Dort habe ich bei den Vorrundenkämpfen in jedem Kampf alle drei Runden ausgekämpft. Der Favorit des Turniers, Kenan Akbulut, hat damals in allen Vorrunden seine Gegner in der ersten Runde KO geschlagen. Und plötzlich stand ICH im Finale gegen ihn. Er war schon damals mehrfacher Deutscher Meister und Europameister. Ich hatte total Schiss und wenn ich mich zurück erinnere bekomme ich immer noch Gänsehaut. Mein Ziel für den Kampf war klar. Ich habe mir nur gesagt: „Ibrahim, geh einfach nicht K.o., ein zweiter Platz auf der Deutschen Meisterschaft reicht dir vollkommen aus – geh nicht K.o.“ Ernsthaft, so war`s. Dann war die erste Runde ausgekämpft und ich stand noch. In der zweite Runde habe ich ihn angeschlagen und er wurde angezählt. Da durchzuckte mich der Gedanke: „Ibrahim, du schaffst das, gib alles, der kocht auch nur mit Wasser! Los jetzt“ Ich war wie vom Blitz getroffen. In der dritten Runde konnte ich nochmals auf die Bretter schicken. Das Gefühl war unbeschreiblich! Ich habe alle drei Runden für mich entscheiden können und wurde somit Deutscher Meister in Vollkontakt Kickboxen.

Hier der Zeitungsbericht von damals:
Kreisbote.de

Ich kam mir auf einmal sehr groß und stark vor und hatte endlich das nötige Selbstbewusstsein. Dann fiel mir der Spruch von Boxlegende Muhammed Ali ein:

„Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann,
wenn mein Herz daran glauben kann-
dann kann ich es auch erreichen.“

Ich wollte noch mehr und habe dafür sehr hart trainiert. Mit 28 Jahren war ich Deutscher Meister, mit 29 Jahren wurde ich Europameister und mit 30 Jahren dann zum ersten Mal Weltmeister bei den Amateuren. Seitdem bin ich 7-facher Deutscher Meister, 4-facher Europameister und 4-facher Weltmeister geworden. Und das, obwohl man mir einreden wollte ich bin schwach und nachdem ich in meinem ersten Kampf so böse k.o. gegangen bin.

Ich will dir damit sagen: Gib nicht auf! Jeder hat mal am Anfang Schwierigkeiten zu starten oder erfolgreich zu sein. Michael Jordan flog aus der Schulmannschaft bevor er der beste Basketballspieler der Welt wurde. Er trainierte jeden Tag vor Schulbeginn, damit er besser wird. Hier ein schönes Zitat von ihm:

„Ich habe in meiner Karriere mehr als 9000 Würfe verfehlt. Ich habe beinahe 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der Spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe nicht getroffen. Ich bin immer und immer wieder in meinem Leben gescheitert. Und das ist der Grund, warum ich gewinne.“

Es gibt viele solcher Beispiele, gerade unter Athleten. Die Leute sehen oft nur das Talent und nicht die harte Arbeit, die vielen Stunden, die diese „Talente“ länger trainieren als ihre Mitspieler oder Gegner und die kleinen, entscheidenden Dinge, die sie konsequenter und besser machen.

Und jetzt bist du dran! Lass dir von niemanden etwas Negatives einreden. Du kannst und du wirst es schaffen, wenn du es wirklich willst!

Falls du Hilfe brauchst ein sportliches oder körperliches Ziel zu erreichen, dann melde dich bei mir. Wir gehen es gemeinsam an!

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